Beáta Keszler ist Mitgründerin von Dee-wine.com – eine in Deutschland ansässige Agentur, die digitale Marketingleistungen im Weinverkauf bietet und Weingüter dabei unterstützt, sich auf dem deutschen Markt erfolgreich zu positionieren.
Seit 2016 ist Beáta Keszler Jurymitglied beim Concours Mondial de Bruxelles.

Was unterscheidet den Concours Mondial de Bruxelles von anderen internationalen Wettbewerben, bei welchen Sie verkosten?

BK: CMB ist eine top organisierte Veranstaltung, wo die Weine professionell präsentiert werden. Die Jurymitglieder sind sehr kompetent und es ist ein Vergnügen im Team zu verkosten. Ich habe schon Wettbewerben abgesagt, wo Kompetenz und Organisation nicht ausreichend waren – für so etwas habe ich keine Zeit…

Ich schätze es sehr, dass wir Weine aus so vielen Ländern verkosten dürfen und finde es noch zusätzlich sehr spannend, dass wir jedes Jahr eine neue Weinregion kennenlernen dürfen. Und noch etwas Persönliches: ich liebe die Eröffnungszeremonie, da bekomme ich immer Gänsehaut.

Raten Sie Ihren Kunden am Concours Mondial de Bruxelles teilzunehmen?

BK: Wir stellen den Kunden immer einen strategischen Plan zusammen, in dem mehrere Elemente den Verkauf unterstützen, und da kommt der Concours Mondial de Bruxelles ins Spiel. Wir empfehlen unseren Kunden, mit ihren Weinen am Wettbewerb teilzunehmen und wir erklären ihnen warum. Unsere Erfahrung zeigt, dass Medaillen von den Konsumenten als Hilfsmittel beim Kauf genutzt werden. Dazu hat Concours Mondial de Bruxelles auch einen guten Ruf in Deutschland.

Verbraucher achten also beim Kauf auf Medaillenaufkleber?

BK: Ja, das glaube ich schon! Besonders diejenigen, die wenig Erfahrung mit Weinen haben. Die Medaillenaufkleber werden von dem Käufer als Kompass genutzt, besonders dann, wenn eine persönliche Beratung fehlt. Und eine Beratung bekommt man nicht überall…nicht im Supermarkt, aber auch nicht immer im Fachhandel.

Und wie sieht es bei den Importeuren und Händlern aus? Spielen Medaillen für sie eine Rolle ?

BK: Ja, eben deshalb, weil Händler damit einfacher arbeiten können. Der Kunde sucht immer nach Beweisen, dass ein Wein gut ist und die Medaille ist ein Qualitätssiegel.

Welche Tendenzen beobachten Sie aktuell auf dem Weinmarkt?

BK: In Deutschland ist der Weinmarkt stark vom jeweiligen Bundesland abhängig. Die Konsumenten in Bayern sind eher konservativ und besonders auf dem Land sehr sparsam. Da sind hauptsächlich österreichische und italienische Weine gefragt, insbesondere Lugana und Primitivo. In Berlin und in anderen Großstädten freuen sich die Kunden darüber, auch mal etwas Neues zu entdecken, wie zum Beispiel Weine aus Rumänien.
Naturweine sind immer noch trendy, sogar im Schaumweinbereich, aber nur in Großstädten.

Im Verkauf beobachte ich, dass die meisten Weinproduzenten sich auf die B2B-Kunden konzentrieren, und dabei die Konsumenten vergessen. Sie denken, dass es die Aufgabe des Händlers ist, die Endkunden zu überzeugen. Dabei möchten Händler aber nur Weine im Sortiment haben, die bereits gefragt sind. Das macht es für wenig bekannte Weingüter sehr schwierig.